Insel im Geiseltalsee

Der Morgen ist einfach die schönste Tageszeit. Alles ist noch so still, die Luft ist frisch und man kann der Sonne beim Aufgehen zusehen. Das wird nie langweilig. Ergriffen steht man da und staunt über diese Pracht, diese Energie und dieser Funken Hoffnung, der immer dabei entsteht.

Sonnenaufgang

Beseelt genieße ich meinen Kaffee und schmiede Pläne für den Tag. Ein paar Enten leisten mir Gesellschaft. Ich sehe dabei dem Vermieter der gegenüberliegenden Hausboote beim Putzen zu. Das ist wirklich Urlaub: wenn man anderen beim Arbeiten zusehen kann…

Heute will ich mit dem Fahrrad den Geiseltalsee umrunden. Mein Vermieter meinte, das wären etwa 30 km, also muss ich mir keine Sorgen über die Reichweite des Fahrradakku machen.

Enten
Meine Nachbarn
Hausboot versteckt
Wer findet das Hausboot?
Blick über den See
Blick über den See

Der Geiseltalsee hat eine Fläche von 18,4 km² und war bis vor kurzem der größte künstliche See in Deutschland (der Cottbuser Ostsee – entstanden 2024 – ist größer). Er entstand aus einem ehemaligen Braunkohletagebau und ist daher auch noch ganz jung. 1993 wurde der Kohleabbau beendet. 2003 wurde mit der Flutung des Sees mit Wasser aus der Saale begonnen, der vollständige Füllstand 2011 erreicht.

Der nächste Ort ist Müscheln. Der Hafen wirkt fast schon mediterran mit den umsäumenden Palmen. In der Nähe kleine Häuschen in Reihe als Ferienwohnungen – ich war sofort an Schweden erinnert.

Hafen von Müscheln
Hafen von Müscheln
Blick auf die Marina von Müscheln
Müscheln Marina
Blick auf den See
Blick über den See

Die Fahrt rund um den See ist gemütlich. Es gibt einen geteerten Radweg rund um den See, kaum Höhenmeter zu überwinden. Man merkt schnell, das Konzept dieses künstlich entstandenen Sees ist durchdacht, um den wirtschaftlichen Verlust des Braunkohleabbaus durch neue Wirtschaftszweige zu ersetzen. Der Radweg ist perfekt beschildert mit Hinweisen zu Erholungs- bzw. Freizeit-Einrichtungen: Restaurants, Hotels, Kioske, Strände, Wassersportanlagen mit Hüpfburgen u.a. Schnickschnack, Bootsverleih. Man fährt sogar oberhalb eines Weinbergs entlang, bei dem der Besitzer wunderbare Sitzgelegenheiten geschaffen hat und man gleich den Wein verkosten kann. Bester Ausblick garantiert. Große Schilder informieren über geplante Neubau-Siedlungen, z.B. als Hausboote am Ufer. Alles im Zeichen des Kommerz. Ich bin noch nicht sicher, ob mir das gefällt. Ist alles fast schon ein bisschen zu perfekt, zu „geschleckt“. Viel Natur, aber nichts wirklich natürlich.

Weinbau
Weinbau am See…
Weinhang
… mit 30° Neigung
Blick übers Land
Blick über den See hinaus

Der Weg ist gesäumt von dichter Vegetation, abwechslungsreich bepflanzt mit verschiedensten Laubbäumen, ab und zu wohlduftende Kiefern, Schilf und Trockenrasen, aber auch Sanddorn, Hagebutten und Brombeeren. Oft ist der Weg so zugewachsen, dass man weder nach rechts noch nach links sieht. Dafür fährt man im Schatten, was bei der Sonne aktuell sehr angenehm ist. Aber immer wieder gibt es Aussichtspunkte (von Hand geschaffen), die zum Verweilen einladen und einen grandiosen Rundumblick zulassen.

Spuren im Fels
Spuren im Stein
Sandstrand
Sandstrand in Frankleben
Diese Mülltonnen klaut niemand
Die Mülltonnen klaut keiner

Gegen Ende des Rundwegs komme ich nach Frankleben. Kleiner Ort, hat aber sogar ein Schloss. Das muss ich mir ansehen. Das Schloss ist in öffentlicher Hand, ein „Kulturgut“, finanziert durch öffentliche Veranstaltungen und private Feste. Daher gibt es keine Ausstellung oder Räumlichkeiten, die man besichtigen könnte. Im Garten stehen noch die Tische einer vielleicht kürzlich stattgefundenen Hochzeit. Unter einem ausladenden Baum gibt es sogar eine Hochzeitsschaukel. Ich wandere ein bisschen durch den Garten und fange die Stimmung ein, sitze am kleinen See und genieße diese willkommene Abwechslung.

Eingang von Schloss Frankleben
Schloss Frankleben
Hochzeitsschaukel

Nächster Halt: Braunsbedra. Ich steuere einen Ortsteil an, bei dem mir von Weitem die Kiche aufgefallen ist. Die Erlöserkirche in Braunsbreda ist laut Gemeindeseite ein schönes Beispiel für Neoromanik, das durch eine wechselvolle Baugeschichte geprägt ist.

Wer kennt Michael Kaßler (1733-1772)? Ihm ist neben der Kirche ein Denkmalstein gewidmet – als „großer Sohn dieser Stadt“. Er hat eine allseits bekannte Erfindung gemacht. Er soll Konstrukteur des ersten funktionsfähigen Laufrades gewesen sein. Der Vorläufer des Fahrrads sozusagen. Wobei sich Wikipedia nicht ganz so deutlich ausdrückt, ob das Laufrad tatsächlich ihm zuzuordnen ist. Braunsbedra feiert jedoch seinen Helden. Das Laufrad befindet sich im Deutschen Museum in München.

Kirche von Braunsbedra
Gedenkstein Michael Kaßler

Zurück am Boot schnappe ich mir erst mal das SUP und paddle aus dem Hafen raus, um mich dann ins Wasser zu werfen. Im Hafen ist Baden aus offensichtlichen Gründen verboten, ist man als Schwimmer doch nicht ganz so gut für Schiffe zu sehen. Die Wasserqualität liese es allerdings zu: es ist wunderbar klar.

Auf meinem „Aussichts-Sofa“ zurück beobachte ich den Mieterwechsel auf den gegenüberliegenden Hausbooten. Zwei Familien mit Kindern – yeah. Die Begeisterung der Kinder äußert sich jetzt schon in den höchsten Tönen – wortwörtlich. Aber soweit ich das mitbekomme, planen beide Parteien, mit dem Hausboot andere Häfen anzufahren. Geht nur heute noch nicht, weil schon den ganzen Nachmittag der Wind bläst. Windstärke zunehmend. Der See wirft richtig Wellen und die Segelschiffe klappern ihr Lied. Allerdings kein Regen in Sicht.

Die Wolken zeigen starken Wind

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