Konnte mich heute irgendwie nicht aufraffen, groß etwas zu unternehmen. Hing dauernd am Rechner fest. Lieber noch ein bisschen an der Blogseite basteln. Ich muss auch noch den Beitrag für den ersten Tag schreiben. Rückwirkend ist das immer gar nicht so leicht, man vergißt so schnell die Details.
Bilder hochladen, komprimieren, Alt-Tags setzen,… es gibt immer was zu tun. Warum hatte ich nur diese Idee? – Das ist doch Arbeit. Aber tatsächlich hatte ich es die letzten Urlaube vermisst, über das Erlebte zu schreiben. Ich habe dann meistens Stift und Papier bemüht. Auch schön, aber das ist dann nur für mich. Und ich finde es schon gefriedigend, auch Freunde und Familie gleich mit auf dem Laufenden zu halten. Und ich muss sagen, dass man seine Umwelt mit ganz anderen Augen betrachtet, wenn man sich vorgenommen hat, anderen darüber zu berichten. Ich schaue dann genauer hin, lese Schautafeln genau durch, statt sie nur zu überfliegen. Gehe manchmal schon in Gedanken durch, wie ich das beschreibe, was ich sehe.
Hier in Braunsbedra finde ich das zum Beispiel nicht einfach. Dieser Ort – es ist sogar eine Stadt – ist ganz schwer zu beschreiben. Am Nachmittag bin ich mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren, um die Stadt kennenzulernen. Was ich gesehen habe, sind ausgedehnte Industriesiedlungen mit viel zerfallenem Bestand. Das ist ja nicht verwunderlich, wahrscheinlich viele Relikte aus dem Braunkohleabbau von vor 30 Jahren und älter. Aber es sieht so aus, als wäre auch wenig Neues entstanden. Nicht nur Industrie, auch Einzelhandel. Bis auf ein paar Supermärkte findet man sehr wenig Geschäfte. Auch ein Ortskern ist für mich nicht wirklich erkennbar. Keine Orte zum Verweilen. Am ehesten noch an den Kirchen – eine hatte ich ja schon beschrieben.
Es gibt im Wesentlichen eine lange Hauptstrasse, an der sich alles orientiert. Restaurants gibt es meist in Form von Asia-Imbiss oder Döner-Buden. Oberhalb des Hafens gibt es unweit einen Biergarten. Das werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen…
Insgesamt macht der Ort für mich einen eher deprimierenden Eindruck. Viel Verfall, viel Leerstand, wenig Neues oder Innovatives. Neubau-Projekte habe ich eher direkt am See entdeckt, aber nicht in Braunsbedra. Stärkung der touristischen Infrastruktur rund um den See ja, aber wenig in den nahegelegenen Orten. Das ist jetzt mit Sicherheit ein sehr vereinfachtes und oberflächliches Bild, aber das war mein Eindruck.
Und egal wo man geht und steht, immer ist ein Schornstein oder Industrieanlage in Sicht. Natur, Freizeit und Industrie liegen hier überall nah beieinander. Aber das ist nunmal das Erbe der Region und hat vielleicht auch seinen ganz eigenen Charme. Wohn-Architektonisch ist es hier ein Nebeneinander von Genossenschaftswohnungen (Wohnblöcke) und Einfamilienhaussiedlungen.



Fahrrad wird hier definitiv wenig gefahren. Die Radwege sind meist schlecht erkennbar: hier sind Fuß- und Fahrradweg nebeneinander, die Trennmarkierungen verblasst. Ich habe das anfangs nicht erkannt und wurde doch glatt angehupt, weil ich auf der Straße fahre. Und was das Fahrvergnügen in den älteren Orten bzw. Ortsteilen angeht: hatte ich erwähnt, dass es hier in der Gegend noch viel Straßen aus Kopfsteinpflaster gibt?
Interessant fand ich die häufige Ansammlung von Garagen. Sie nehmen richtig viel Fläche ein. Im Süden deutschlands würde man sowas aufgrund der Preise schon gar nicht finden. Die Garagen sind von der Größe her kaum noch zeitgemäß und dürften für viele Autos gar nicht mehr passen. Aber ich habe einige gesehen, die es als Werkstatt nutzen und natürlich als erweiterten Abstellraum.


Zum Schluss noch Wasservorrat beim LIDL aufgestockt fahre ich wieder zurück zu meinem „Hafen-Kino“. Erst mal mit dem SUP aus dem Hafen paddeln und im Wasser abkühlen. Die Privat-Party im „Bellini“ mit italienischer Live-Musik (Eros Ramazotti läßt grüßen) ist gottlob in den Endzügen. War wohl für italienische Senioren, wenn es sich nur auf den Nachmittag beschränkt?!
Später kommen beide Familienboote zurück, die gestern ja eingecheckt hatten und heute morgen auf große Fahrt gegangen sind. Bei einem Boot sitzt die Frau am Steuer und hat das Einparken auch richtig gut gemacht. Nur zum Schluss hin ist ihr das „Hinterteil“ ausgekommen. Aber für das erste mal: Respekt. Aber ist ja klar – das muss ich ja sagen. 😉
Diese Familie hat auch einen Hund – einen übermütigen und sehr kraftvoll geladenen schwarzen Hund mittlerer Größe (keine Ahnung, was das für eine Rasse ist). Ist immer witzig zu beobachten, wenn die Tochter mit „Aslan“ spazieren geht: Hier trifft auf jeden Fall zu, dass der Hund mit dem Mädchen spazieren geht, nicht umgekehrt. Aber wenn Mutti mal ein Kommando gibt, dann steht er bei Fuß.




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