Mein Hausboot

5:00 Uhr Abfahrt, sagt ChatGPT. Es ist Samstag und es soll voll auf den Straßen werden. Ich wollte statt „KI“ schon „er“ sagen – fühlt sich der Einsatz der KI doch schon so natürlich, so familiär an. Man spricht mit ihm wie mit einem Freund.
Ich bin auf jeden Fall nach Plan los und hatte überhaupt keinen Verkehr. Es war sogar so leer, dass ich schon überlegt hatte, ob ich überhaupt auf die KI hätte hören sollen. Ich werde es nie wissen. Auf jeden Fall bin ich sehr früh dran.

Ich besuche auf dem Weg zu meinem Urlaubsort noch einen lieben Kollegen und mache einen Schlenkerer über Schneeberg. Ein sehr schöner Ort mit bemerkenswerter Topografie. Mit anderen Worten – da geht es ganz schön rauf und runter. Wir sitzen gemütlich unter einem Baum im Garten bei hervorragendem „Mittagssnack“ und es fühlt sich alles gleich wie Urlaub an. Nette Menschen um mich rum, gutes Essen,… Aber nach zwei Stunden muss ich weiter, ich habe eine Verabredung mit dem Vermieter des Hausboots. Die Strecke bis Zwickau am Rand des Erzgebirges ist ein Genuß, hat man doch einen hervorragenden Weitblick. Die knapp zwei Stunden bis Braunsbedra vergeht wie im Flug.

Auf die Minute pünktlich stehe ich im Hafen – leider nur im Falschen. Ich wurde von Google nach „Müscheln“ gelotst. Gottseidank ist das nur ein Ort weiter. Rainer und seine Frau sind geduldig und nehmen mich neun Minuten später am richtigen Ort in Empfang. Die Adresse wird von Google wohl falsch geroutet. Ich war nicht die Erste, die im Nachbarort gelandet ist.

Am Parkplatz vor dem Hafen empfangen mich Rainer und seine Frau (Mist – ich bin soooo schlecht mit Namen) mit einem Handwagen, in den ich mein Gepäck laden darf. Dann geht es über das Hafengelände zum Steg, wo die „Elisabeth“ liegt. Das nette Häuschen ist top ausgestattet und macht einen sauberen Eindruck. Es gibt sogar ein Gerät, mit dem man Fliegen vertreiben kann: so eine Art Ventilator, den man auf den Tisch stellt. Hab ich noch nie gesehen, nettes Gimmick. Es gibt Radio und Fernseher und ein SUP, das ich benutzen kann. Was will man mehr. Ich bekomme erklärt, wie man Wasser nachfüllt, der Gasherd funktioniert und aus der Sitzecke ein Bett macht, für das sie mir sogar extra einen Topper gekauft haben. Das Special dieses Hauses: die Toilette. Funktioniert ohne Wasser. Man erledigt sein „Geschäft“ in eine Tüte, die dann verschweißt wird und im Bodenbehälter landet. Dort kann man sie entnehmen und im Hausmüll entsorgen. Auf jeden Fall kein Wunder, dass das Hafenwasser so sauber ist. Ver- und Entsorgung findet hier nicht über das Wasser statt. Für mich bester Platz: das Sofa auf der „Terrasse“. Sehr bequem, ob sitzend oder liegend. Wie sich noch herausstellen wird mein Lieblingsplatz auf dem Boot.

Gegen 17.30 Uhr bin ich wieder alleinen und mache ich mir erst mal ein Willkommensbier auf. Dank Kühltruhe, die ich im Auto angeschlossen hatte, wunderbar kalt. Mmmmnhhhhh. Allerdings bin ich danach angeschickert. Ich lasse mir noch etwas Zeit, aber ums Einkaufen komme ich nicht drum herum. Morgen ist Sonntag und ich habe nicht viel Essbares dabei. Also raffe ich mich nochmal auf und gehe zum Auto. Dort ist noch das Fahrrad im Kofferraum. Vorderreifen schnell montieren, los gehts. Der nächste LIDL ist nicht weit und natürlich kaufe ich mehr als notwendig. Und nicht nur die gesunden Sachen. 😉

Zurück sind die Lebensmittel schnell verräumt. Gut, dass ich die Kühltruhe habe: der Stauraum im Kühlschrank ist nicht groß. Bei der Gelegenheit räume ich dann gleich noch meine „Koffer“ aus; ich hatte alles in die großzügigen Ikea-Taschen gepackt.

Über das Abend-Unterhaltungsprogramm muss ich mir keine Gedanken machen: Im „Bellini“ 200m weiter gibt es Live-Musik. Aber ich bin später so müde, dass mich die Musik nicht stört.

Marina Braunsbedra
Abendstimmung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

LETZTE BEITRÄGE